TermineTexteTypen

Torsten Brügge und Padma Wolff
sevaa.de
22. Juni (Mi) 19:30 Uhr, Marthastr. 50, HH-Eimsbüttel; 15 €

in Berlin Tony Parsons
www.theopensecret.com, www.tonyparsons.de
24. Juni (Fr) 20-21:30 Uhr, 15 €
25. Juni (Sa) 14-18 Uhr, 50 €
26. Juni (So) 14-18 Uhr, 50 €; gesamtes Wochenende 100 €
Zeit und Raum, Grunewaldstr. 18, 10823 B-Schöneberg, U7 Eisenacher Str.; Anmeldung info ( a t ) joroettger.de

Torsten Brügge und Padma Wolff
www.sevaa.de
27. Juni (Mo) 19:30 Uhr, Marthastr. 50, HH-Eimsbüttel; 15 €

in Berlin: Lisa Cairns
lisacairns.com
15. Juli (Fr) 19-21 Uhr, 20 €
16. Juli (Sa) 11-13 und 15-17 Uhr, 40 €
17. Juli (So) 14-17 Uhr, 30 €
SpiegelHerz Praxis, Körtestr. 4, 10967 B-Kreuzberg, U7 Südstern
Info: Stephan Bissart, Tel. 030 2394 8604, bissart[]spiegelherz.com

Torsten Brügge und Padma Wolff
www.sevaa.de
20. Juli (Mi) 19:30 Uhr, Marthastr. 50, HH-Eimsbüttel; 15 €

Padma Wolff
sevaa.de
25. Juli (Mo) 19:30 Uhr, Marthastr. 50, HH-Eimsbüttel; 10 €

Torsten Brügge
www.satsang-mit-torsten.de
27. Juli (Mi) 19:30 Uhr, Marthastr. 50, HH-Eimsbüttel; 10 €

in Berlin Torsten Brügge und Padma Wolff
30. Juli (Sa) 19:30-21 Uhr, 15 € (erm. 10 €)
31. Juli (So) 12-18:30 Uhr, Stille-Tag, 80 € (erm. 50 €)
Care&Share Zentrum, Welserstraße 5-7, Seitenflügel re, 4.OG, 10777 Berlin-Schöneberg
Info: Petra Strube – petramaria.s[]gmx.de, Tel. 0178 8670022

Padma Wolff
sevaa.de
1. August (Mo) 19:30 Uhr, Marthastr. 50, HH-Eimsbüttel; 10 €

Torsten Brügge
www.satsang-mit-torsten.de
3. August (Mi) 19:30 Uhr, Marthastr. 50, HH-Eimsbüttel; 10 €

in Berlin: Andreas Müller
thetimelesswonder.com
6. August Sa) 15-16:30 Uhr und 17-18:30 Uhr, je 15 €
7. August So) 13-14:30 Uhr und 15-16:30 Uhr, je 15 €
Eisenacher Straße 115, 10777 Berlin (5 Gehminunten von U Nollendorfplatz)

Torsten Brügge und Padma Wolff
www.sevaa.de
22. August (Mo) 19:30 Uhr, Marthastr. 50, HH-Eimsbüttel; 15 €

Torsten Brügge
www.satsang-mit-torsten.de
24. August (Mi) 19:30 Uhr, Marthastr. 50, HH-Eimsbüttel; 10 €

in Berlin Karl Renz
karlrenz.com
26. August (Fr) 20-22 Uhr, 12 €
27. August (Sa) 13-15, 16-18, 19-21 Uhr, je 12 €
28. August (So) 13-15, 16-18, 19-21 Uhr, je 12 €
ChaChaChicas, Hasenheide 9 (Hof), 10967 B-Kreuzberg, U7 Hermannplatz

Torsten Brügge
www.satsang-mit-torsten.de
27. August (Sa) Stille-Tag: 14 Uhr Meditation, 16 Uhr Satsang, 18 Uhr Bhajan-Singen, Marthastr. 50, HH-Eimsbüttel; je 10 €

Torsten Brügge
www.satsang-mit-torsten.de
31. August (Mi) 19:30 Uhr, Marthastr. 50, HH-Eimsbüttel; 10 €

Muni – Michael Weber
www.muni-satsang.de
7. Oktober (Fr) 20-22 Uhr, 15 €
8. Oktober (Sa) 11-13.30 Uhr u. 15.30-18 Uhr, 45 € (halber Tag 25 €)
9. Oktober (So) 10-12.30 Uhr u. 14.30-17 Uhr 45 € (halber Tag 25 €)
Praxis Sigrid Molineus, Bahrenfelder Str. 169 (V. Stock, Fahrstuhl), 22765 Hamburg

Zanko Zanev
www.zanko.de
14. Oktober (Fr) 19-21 Uhr Satsang und Meditation
15. Oktober (Sa) 12-18 Uhr Intensivseminar
16. Oktober (So) 12-18 Uhr Intensivseminar
Tanzstudio Ala Nar, Hoheluftchaussee 108, 20253 Hamburg; Info + Einzeltermine Sylvianne Capell, 0174 7683232; elsharq[]gmx.de

Andreas Müller
thetimelesswonder.com
15. Oktober (Sa) 15-16:30 Uhr und 17-18:30 Uhr, je 15 €
16. Oktober (So) 13-14:30 Uhr und 15-16:30 Uhr, je 15 €
Craniosacral Praxis, Bahrenfelder Straße 43, 22765 HH-Ottensen (zehn Gehminuten von Bahnhof Altona)

in Berlin Richard Sylvester
richardsylvester.com
21. Oktober (Fr) 20-21:30 Uhr, 15 €
22. Oktober (Sa) 14-18 Uhr, 45 €
23. Oktober (So) 14-18 Uhr, 45 €; gesamtes Wochenende 95 €
Zeit und Raum, Grunewaldstr. 18, 10823 B-Schöneberg, U7 Eisenacher Str.

in Bremen Andreas Müller
thetimelesswonder.com
5. November (Sa) 15-16:30 Uhr und 17-18:30 Uhr, je 15 €
6. November (So) 13-14:30 Uhr und 15-16:30 Uhr, je 15 €
Raum für Zeit, Goethestraße 25, 28203 Bremen

Pyar – Franziska Troll-Rauch
www.pyar.de
18. November (Fr) 19:30 Uhr, 15 €
19. November (Sa) 11 Uhr und 15 Uhr, je 15 €
20. November (So) 11 Uhr und 15 Uhr, je 15 €
Buddhistisches Stadt-Zentrum, Bahrenfelder Str. 201 B, 2. Innenhof, 22765 HH Ottensen

Samarpan – Sam Golden
www.samarpan.de
1. Dezember(Do) bis 5. Dezember (Mo), jeweils 19:30 Uhr, 15 €
Buddhistisches Stadt-Zentrum, Bahrenfelder Str. 201 B, 2. Innenhof, 22765 HH Ottensen

Ein Abend bei den Erleuchteten

Meinen ersten Erleuchteten habe ich im Gemeindesaal der Eimsbütteler Christuskirche erlebt. Er hieß Isaac Shapiro, trottete wie ein abgeschabter Teddybär nach vorn und trank Kaffee aus einem Plastikbecher. Ich wäre nie darauf gekommen, dass er etwas Besonderes darstellte. Er verstrahlte weder auffallenden Charme noch Charisma. Er hätte auch ein bewegungsarmer Computerexperte sein können. Aber er setzte sich auf die Bühne, und ungefähr 300 Leute im Saal starrten ihn ergriffen an.
Die Veranstaltung hieß „Satsang mit Isaac“. Das Publikum hätte man auch in einem Eso-Laden oder auf dem Öko-Markt treffen können. In einer Trendboutique oder im Mediencafé eher nicht. Die meisten waren zwischen dreißig und fünfzig, etwa zwei Drittel waren Frauen. Ein Baby krähte, ein zweites wurde gestillt, ein Hund schlief. Vor der Bühne hatten anfangs ein paar Mädchen Gitarre gespielt und mit sonniger Miene gesungen. Es war genau die Art von Veranstaltung, die einem auf den Keks geht.
Nach einer Runde Schweigen fragte Isaac Shapiro: „Ist jemand zum ersten Mal beim Satsang?“ Einige meldeten sich. Er sagte: „Satsang heißt einfach Zusammensein (sang) in Wahrheit (sat). Wir können sehen, was wirklich ist. Jetzt. Hier. Der Verstand kann zur Ruhe kommen.“ Vor mir verknotete ein Zuschauer schon mal die Beine zum Lotussitz und richtete seine Wirbelsäule so vorschriftsmäßig auf, dass ich mich zur Seite beugen musste, um noch etwas zu erkennen.
Eine Frau erklomm die Bühne und setzte sich in einen Sessel für Fragesteller. Sie schien aufgeregt. Sie bemühte sich um ein Lächeln, während sie den Mann ansah, der da seelenruhig in seinem Sessel saß. Ihr Lächeln verschwand langsam. Sie atmete langsamer. Und sah ihm immer in die Augen. So blieb das erst mal. Er sah ihr in die Augen oder ließ sich in die Augen sehen. Und die Leute im Saal sahen den beiden zu, wie sie einander in die Augen sahen.
Endlich sagte die Frau: „Ich habe Angst.“ Der Teddybär klappte zur Bestätigung seine Augenlider herunter. Sie sagte: „Beinahe immer. Auf der Straße, zu Hause, einfach so, im Leben.“ Er fragte: „Hast du jetzt Angst?“ Sie nickte. Er sagte: „Gut. Dann gehe jetzt zu dieser Angst. Versuche nicht, sie loszuwerden. Fühle sie nur.“ Man konnte sehen, wie die Frau etwas versuchte, während sie ihm weiter tapfer in die Augen sah. „Jetzt ist die Angst nicht da“, sagte sie schließlich. „Jetzt ist da nichts.“
„Ja“, sagte er. „Da ist nichts. Aber wenn du versuchst, die Angst loszuwerden, beginnt der Verstand zu rattern. Dann verstrickst du dich. Du versuchst, dir die Angst zu erklären, du erzählst dir eine Geschichte dazu. Das gibt ihr Brennstoff. Halte sie statt dessen einfach aus. So verschwindet sie von selbst. Wir alle laufen weg vor der Angst, unser Leben lang. Irgendwann sagen wir: Ich möchte sehen, wovor ich eigentlich weglaufe. Wenn wir ihr dann begegnen, ohne sie weghaben zu wollen, dann löst sie sich auf. Wir sind gewohnt, unangenehme Empfindungen zu analysieren. Einfach Hinsehen ist genug.“
Das waren hilfreiche Sätze. Doch sie waren nicht das Entscheidende. Das Entscheidende war augenscheinlich schon vorher geschehen, während die Frau ihn ansah. Es war offensichtlich, dass ihre Angst sich aufgelöst hatte. Ihr Gesicht war aufgehellt. Sie blieb noch eine Weile sitzen, immer den Blick haltend. Dann bedankte sie sich und stieg von der Bühne, leicht, beschwingt. „So etwas hält nicht vor“, flüsterte ich meiner Partnerin zu.
In den anderthalb Stunden des sogenannten Satsang ging es immer wieder so: Jemand stieg beklommen nach oben und kam nach zehn oder fünfzehn Minuten gelöst wieder herunter.
Zu einem Mann, der mit seiner Partnerschaft unzufrieden war, sagte Isaac: „Keine Beziehung kann dich glücklich machen. Wir lassen uns auf jemanden ein und meinen, dieser andere sei der Ursprung der Liebe. Wir bleiben nicht bei der Quelle der Liebe selbst. Wir projizieren sie auf jemand anderen und haben dann Angst, dass sie uns mit diesem anderen abhanden kommen könnte. Solange wir meinen, etwas von außerhalb mache uns glücklich, versuchen wir es für uns zu sichern. Wir nennen es Liebe, doch es ist Brauchen. Wenn du mehr an der Wahrheit interessiert bist als an deinen Vorstellungen von Beziehungen, dann wird die Beziehung dir helfen aufzuwachen.“

So viel geredet wurde selten. Auf die Fragen antwortete Isaac meist mit schlichten Gegenfragen: „Was ist jetzt? Wo ist das jetzt?“ Und auch das nur nach Schweigepausen. Dieses Schweigen, verbunden mit dem Blicktausch, hatte es in sich. Etwas passierte da. Etwas wirkte, und nach meinem Eindruck auf alle im Saal. Obwohl die Stühle unbequem waren und die Luft im Minutentakt schlechter wurde, sickerten sogar in mich Ruhe und Leichtigkeit ein. Als der Teddybär sich nach anderthalb Stunden mit aneinandergelegten Händen verabschiedete, verließ ich den Raum gelassener, als ich gekommen war.
Draußen wurde es richtig komisch. Da lagen Zettel aus. Und sie zeugten von einer beginnenden Inflation. Satsang mit Torsten, Satsang mit Gabriele. Torsten! Gabriele! Deutsche Erleuchtete?! Wenn ich eines wusste, dann dies: Jemand, der Torsten heißt, kann unmöglich erleuchtet sein! Das Vergnügen eines Besuchs wollte ich mir aber nicht nehmen lassen.
Ich habe also Torsten besucht, der in einer Wohnung am Schlump zum Satsang einlädt. Und Gabriele, die das Gleiche in Sasel tut. Ich habe zwei Jahre lang alle Erleuchteten besucht, die in Hamburg zum Satsang bitten oder die auf der Durchreise ein Gastspiel geben.
Und ich muss zugeben, es ist was dran. Ausprobieren lohnt sich. Zunächst einmal ist Satsang die preisgünstige Art, eine Dosis Frieden zu bekommen. Denn der Typ da vorne – es kann auch eine Frau sein – mag heftig abstreiten, erleuchtet oder sonst etwas Spezielles zu sein. Er oder sie hat doch etwas, das hervorhebt und strahlt: eine Aura von Stille, Güte, Mitgefühl, von innerem Frieden. Und dieser Frieden sickert in die anderen ein.
Wer an einem Satsang teilnimmt, wird in Stille getaucht. Jedesmal ein bisschen mehr. Und das hängt damit zusammen, dass der Satsanglehrer selbst ungewöhnlich still ist. Nicht notwendigerweise äußerlich. Es kann sein, dass er viel schweigt. Kann auch sein, dass er viel redet. Egal, er strahlt Stille aus. Er oder sie hat eine Erfahrung gemacht, die Lao Tse oder Buddha, Meister Eckhart oder Sokrates und etliche Heilige ebenfalls gemacht haben. Die Erfahrung, dass sie weit mehr sind als Körper und Geist. Weit mehr als das, was sie bis dahin für ihre Persönlichkeit gehalten haben. Und mit dieser Erfahrung verbunden ist nichts Geringeres als die Erkenntnis, dass Leiden eine Illusion ist.
Das ist mindestens erstaunlich. Deshalb lohnt es sich, die Leute mal genauer in Augenschein zu nehmen. Meist kostet das zehn Euro Eintritt. Manchmal wird nur um eine Spende gebeten. Zu tun gibt es sonst nichts. Keine Voraussetzungen sind erforderlich. Man muss kein Wort sagen, muss seine Adresse nicht hinterlassen, niemanden verehren, keine Lehre, keinen Glaubenssatz über sich ergehen lassen. Es könnte nur sein, dass Lehren und Glaubenssätze sich auflösen im Satsang.
Das Wort Satsang kommt aus dem Indischen. Aber es geht nicht indisch zu. Schon deshalb nicht, weil die Leute da vorn Westler sind. Sie heißen Torsten und Gabriele und Karl. Es sind ziemlich normale berufstätige Leute, die ein kleines, entscheidendes Aha-Erlebnis gehabt haben. Der Buddha hat dieses Erlebnis Erleuchtung genannt, mit der Anmerkung, es sei das Ende allen Leidens.
Das Ende allen Leidens? Her damit!
Zwei Jahre lang, sagt der Autor Dietmar Bittrich (Foto), habe er selbst alle Erleuchteten abgeklappert, die in Hamburg zum Satsang luden. Seine Erfahrungen flossen in ein witzig zu lesendes Buch. Das Fazit: Satsang ist eine preisgünstige Art, seinen Seelenfrieden wiederzufinden.
Bittrich - Erleuchtete

Dietmar Bittrich, Christian Salvesen: Die Erleuchteten kommen. Satsang – Antworten auf die wichtigen Fragen des Lebens. Goldmann, 284 Seiten; 8,90 Euro.

Andreas Müller

Eine Art Sterben

Es scheint in jeder Geschichte anders zu sein. Man kann man sich schon fast darauf verlassen, dass es so passiert, wie es noch nie passiert ist. Obwohl es völlig unpersönlich ist, scheint es eine höchst individuelle Sache zu sein.
Da ist alles möglich. Von „Wow“ bis zu „überhaupt nicht bemerkt“. Von einem stunden-, tage-, jahrelangen schmerzhaften scheinbaren Prozess der Auslöschung, bis hin zu …
Manchmal scheint es ein Ereignis zu geben und manchmal nicht. Aber aus diesen Geschichten kann auch eine Erwartung genährt werden, so wie: „Ah, irgendetwas muss doch passieren“, weil es in einigen Geschichten mit einem scheinbaren Ereignis passiert ist oder als eine Folge von irgendetwas. „Da hat er diesen Satz gesagt und dann… Bumm!“ Und jetzt wollen alle diesen einen Satz hören. Jeder hängt an den Lippen des Meisters und hofft, dass der eine Satz fällt, der Satz, den man wirklich hören kann.

Wenn ich sage, es wurde nicht bemerkt, meine ich dieses letzte Wegfallen. In der Geschichte von diesem scheinbaren Andreas gab es Zeiten, die sehr intensiv waren. Für viele Leute ist es wirklich eine Art Sterben. Zu diesem scheinbaren Sterben gehört, dass sich das scheinbare Ich nicht darauf berufen kann, wie „Ja, ja, das gehört alles zum Prozess.“ Das wäre nicht mehr das wirkliche Sterben. Das Ganze kann sich sehr dramatisch anfühlen und innerhalb der Geschichte über Jahre gehen. Und für dieses scheinbare Ich gibt es keine Hoffnung auf ein Ende.

Es ist das scheinbare Ich, das die Welt erschafft. Nicht die Erscheinung, sondern die Interpretation davon. Und das ist die ganze Welt. All die Vorstellungen, Wertvorstellungen, die Geschichten, die persönliche Geschichte, all die Wichtigkeiten – all das kann in einem Rumms verschwinden. Es kann die ganze Zeit daran herumgenagt und herumgebohrt werden, und plötzlich … ist alles einfach weg. Dieses scheinbare Sterben ist für das scheinbare Ich schmerzhaft, denn es verliert dabei alles. Sein Leben, die Realität und sich selbst.

Die Wahrnehmung, jemand zu sein geht Hand in Hand mit Unbefriedigtsein. Die Wahrnehmung, eben nicht alles zu sein, sondern nur ein Teil in einer Welt aus Teilen. Das scheinbare Ich erfasst die Realität von allem, aber nicht die Irrealität, und das scheint unbefriedigend zu sein. Damit beginnt die Suche. ‚Ich’ und ‚Suche’ sind eins. Keine Suche ohne Ich, kein Ich ohne Suche. Sobald ‚scheinbar Ich’ erscheint, ist Leben in einer künstlichen Realität, ist scheinbare Trennung, ist Unbefriedigtsein, ist Suche. All das gehört zusammen. Es gibt kein Ich, das nicht sucht. Und auch niemand, der aufhören könnte zu suchen. Erst wenn ‚Ich’ stirbt, ist die Suche zu Ende. Zum Glück muss da nichts sterben, denn es gibt ja kein Ich.

Das ‚Problem’ ist, dass das scheinbare Ich immer nur ‚etwas’ suchen kann, niemals aber Nicht-Etwas. Wenn hier gesagt wird, es ist das, was erscheint, dann schaut das scheinbare Ich in den Raum und versteht gar nichts. Es kann ES nicht finden. Eben weil es da ist, also das scheinbare Ich, und schaut. Ausschau hält nach Etwas. Ohne diese Energie von scheinbarer Trennung verschwindet die gesamte künstliche Realität, in der das scheinbare Ich lebt, und damit auch die komplette Subjekt-Objekt-Wahrnehmung. Da ist dann einfach niemand mehr, der Ausschau hält, niemand, der sich als getrennt wahrnimmt und deshalb Einheit sucht. Was zuvor nur real war, ist dann real und irreal, wird ganz, vollständig, ungeteilt. Es ist nicht die Suche, die endet. Es ist der/die Sucherin, der/die endet.

Diese Botschaft ist völlig unpersönlich und an niemanden gerichtet. Sie weist keinen Weg und gibt keine Anweisungen. Sie hat keine Absicht. Sie erkennt einfach niemanden. Wenn das scheinbare Ich versucht, diese Botschaft umzusetzen, entsteht Religion. Da wird dann gesagt, ‚gut’ und ‚schlecht’ fänden nur in der künstlichen Realität eines scheinbaren Ich statt. Und also bemüht man sich dann, weniger zu bewerten und das Leben mit mehr Gleichmut zu ertragen. Von da ab bewertet also das scheinbare Ich, wie viel es noch bewertet oder wie viel das Gegenüber bewertet. Es kann einfach nicht aus seiner künstlichen Realität aussteigen. Es lebt nun mal in Zeit, in Raum, in ,Gut’ und ,Böse’, in Ursache und Wirkung. Aber es gibt einfach kein ‚gut’ und ‚schlecht’. Punkt.

Wahrnehmung gehört zur Traumwelt des scheinbaren Ich. Es lebt in permanenter Wahrnehmung von etwas. Die ganze künstliche Realität des scheinbaren Ich ist auf Wahrnehmung aufgebaut. Wahrnehmung ist der Grundstein für scheinbare Trennung. Hier bin ich und da ist ein Gefühl. Und die Verbindung oder Beziehung zwischen diesen scheinbar getrennten Dingen ist das Wahrnehmen. Wahrnehmung kann nur ablaufen zwischen scheinbar getrennten Dingen oder Vorgängen. Ohne Ich verschwindet derjenige, der im Wahrnehmen lebt. So gibt es auch keine Wahrnehmung von ‚mir’. Das ist es ja: niemand da, der getrennt ist und deshalb eine Wahrnehmung von ‚etwas’ haben kann. Da ist nur, was erscheint. Und das ist eins und eben nicht zwei.

Da ist kein Gott, keine göttliche Intelligenz. Das sind Vorstellungen, die aus der Wahrnehmung von scheinbarer Trennung kommen. Man kann es auch Projektionen nennen. Das scheinbare Ich projiziert seine trennende Sichtweise auf die Erscheinung. Es gibt keine Instanzen. Weder Ich, noch Ego, noch Gott oder einen Teufel. Auch keine geheimnisvolle Kraft, die das Ganze erschafft und als Realität in Zeit und Raum existiert. Es gibt nur dieses Wunder.

aus Andreas Müller: Weihnachten hat es nie gegeben

*
Andreas Hegewald

Das Gegenteil von dem, was du dir wünscht

Der Berliner Andreas Hegewald alias ANdy ist der schwergewichtigste Mann der Satsangszene. Und zugleich derjenige, der die Sache mit dem Erwachen und dem Wegfall des Ich am leichtesten rüberbringt. Plaudernd. In Alltagssprache. Womöglich ist er auch der einzige, der keine Reklame dafür macht. „Mach dich eher auf eine Enttäuschung gefasst“, sagt er. „Du willst etwas bekommen, und am Ende verlierst du alles, auch das, was du liebst – die Geschichte von dir, von deinem Leben, deinen Nächsten. Sogar dich selbst. All das muss fallen in dem Sehen, dass die Person nur eine Puppe ist. Es ist ein Tod.“ Wenn die Besucher in seinen Talks allzu beklommen dreinblicken, schiebt er nach: „Zugleich ist es die Befreiung. Am Ende ist es genau das, was jeder sich wünscht.“

Der 34jährige Berliner hatte sein entscheidendes Erwachen beim Schrubben. Am Putztag in seiner WG. Wer ihn besucht, gewinnt den Eindruck, so ein erleuchtendes Saubermachen wäre mal wieder dran. Im funzelig beleuchteten Eingangsbereich liegen gefühlt dreißig Paar Schuhe. Man soll die eigenen ausziehen und muss hoffen, sie später wiederzufinden. Ein Karton mit Hinterlassenschaften einer längst geflohenen Mitbewohnerin steht im Weg, gefüllt mit Büchern und CDs, die sie nicht vermisst.

ANdy bittet ins Innere, in einen langen dunklen Gang. Richtig! Die Weisen dieser Erde haben ja immer schon in Höhlen gelebt. Die erleuchteten Essener zogen sich in Kavernen am Jordan zurück, der heilige Hieronymus hockte in einer Grotte bei Aleppo, Franziskus zog sich in ein Gewölbe im toskanischen Monte Penna zurück. Der eifrig verehrte Ramana Maharshi meditierte in wechselnden Höhlen des Arunachala, die heute bei westlichen Suchern als Erleuchtungsbeschleuniger gelten.

In ANdys Wilmersdorfer Wohnhöhle hausen noch sieben andere Leute, die der Besucher allerdings nie zu Gesicht bekommt. Nur eine Frau ist unübersehbar. Sie sitzt in ANdys Vorzimmer. Das ist Bella, seine beste Freundin. Durch ihren Raum führt der Pfad ins Wohn- und Satsangzimmer. Während Andy seine Talks veranstaltet (das Wort Satsang ist ihm zu indisch), schaut Bella sich Filme von Pferdeflüsterern an. Mit Advaita oder Nondualität mag sie nicht mehr so viel zu tun haben. ANdy versteht das. Sie habe sich mal für das Thema interessiert. Aber so ganz easy ist das ja nicht mit dem Erwachen. „Du willst es die ganze Zeit, und dieses Hinstreben ist auch schön“, sagt er. „Es ist, als ruderst du einen herrlichen Fluss hinunter. Plötzlich merkst du: Da vorn kommt ein Wasserfall, und auf den geht es zu! Jetzt ist es kein lustiges Abenteuer mehr. Du wirst fortgerissen. Du kannst nichts tun. Du wirst verschlungen. Als das bei mir geschah, habe ich meine Freundin angerufen und gefleht: ‚Hör auf, Advaita-Bücher zu lesen, es ist alles wahr; es gibt tatsächlich niemanden, die Person ist eine leere Hülle, es ist grausam, lies nicht weiter!’ Aber da ist nichts zu machen. Es passiert oder nicht.“

Bei ANdy ist es im Badezimmer der WG passiert, beim Schrubben der Fliesen. „Gewöhnlich findet ein innerer Kampf gegen so ein Putzen statt: Ich will nicht, das nervt, ich hab’ keinen Bock. An diesem Tag, ohne ersichtlichen Grund, wurde dieses negative Gefühl plötzlich eingeladen. Sonst habe ich immer eilig geputzt, um es hinter mich zu bringen. Jetzt wurde es ganz langsam. Der Widerstand löste sich. Auf einmal wurde gesehen: Es gibt niemanden, der gegen irgendetwas anderes kämpft. Das ist alles Leben. Das ist es bereits. Ich muss das jetzt nicht schnell hinter mich bringen, um anderswo hinzukommen, wo ich mich besser fühle. Im ‚Danach’ oder im ‚Später’ ist keine Erfüllung. Sondern genau dieses hier, dieses blöde Gefühl und das Putzen, das ist es schon. Nur das Kämpfen dagegen macht den Augenblick ungenügend.“

So oder ähnlich haben wir das schon mal gehört. Und gelegentlich beim Geschirrspülen erinnern wir uns sogar daran. Bei ANdy kam noch etwas hinzu, was die Wahrnehmung betraf. Die Wahrnehmung, die Aufmerksamkeit, geht ja gewöhnlich nach außen. „Hier nun hat die Wahrnehmung auf einmal versucht, sich selbst wahrzunehmen. Es war genauso verrückt, wie es klingt. Als ob das Sehen sich selbst sehen wollte. Eine Person hatte da keinen Platz mehr. Ich war überflüssig. Es war auch kein Ich, dass das begriff. Das Leben selbst begreift in so einem Moment, dass dieser Körper und Geist eine Marionette ist, ein Puppe, die keine Ahnung hat, was als nächstes erscheint. Und die keine Wahl hat zu tun, was sie tut.“

Klingt eigentlich nicht so toll. Und das räumt ANdy auch ein. „Es ist das Gegenteil von dem, was du dir wünschst. Das Ich möchte etwas bekommen, etwas Gutes und Wertvolles für sein Leben, damit es bereichert wird, damit es sich weiterentwickelt, damit es glücklich wird. Doch das geschieht nicht. Stattdessen verliert es alles: seine Geschichte, die Geschichte von allem, was es liebt, die Geschichte, die es ‚mein Leben’ nennt. Es selbst geht verloren. Das ist ein Schreckensszenario, und es kann sich wie ein Todeskampf anfühlen. Zugleich ist es eine unglaubliche Erleichterung. Verloren geht ja auch die Vorstellung, eine abgetrennte, ums Überleben kämpfende Instanz zu sein.“

Andy hat erstmal ein paar Tage lang nur dagesessen, in seinem Zimmer mit den Fenstern zur Nassauischen Straße. Das darf doch nicht wahr sein, hat er gedacht, ich bin gar nichts. Dies ist nur eine leere Hülle, eine Art Roboter für programmierte Abläufe. Der Sinn des Lebens war weg. Die Zukunft bedeutungslos, die Vergangenheit wie ausgelöscht. „Es ist auch ein Preis, der da gezahlt wird. Es ist auch ein hoher Verlust.“
Gesehen wird nämlich auch, dass die Liebe zu den Mitmenschen nur eine Geschichte ist. „Es gibt weder diese Person, die sich als Liebender wähnt, noch die Person dort, für die Liebe empfunden wird. Diese ganze Beziehung ist nur ein Puppenspiel des Seins.“ Aus der Sicht des Ichs ist das, was Erwachen genannt, nicht wirklich das, was gesucht wird. „Wer will schon sehen, dass er nicht wirklich existiert?“ Aber eine Menge psychologisches Leiden fällt dabei auch weg. Gedanken wie „Ich bin nicht gut genug, ich bin nichts wert“ finden keinen fruchtbaren Boden mehr.

Und ein paar Tage später, als ANdy lange genug seine hell gestrichenen Wände angestarrt hatte und den alten grünen Kachelhofen und den Kühlschrank, den Wäscheständer und das Bügelbrett, „da war dann einfach so eine Akzeptanz da“. Da wurde auch das „Oh, nein, das darf doch nicht wahr sein!“ als bedeutungslose Erscheinung gesehen, als Leben, wie es gerade gespielt wird. „Sehen kommt, Sehen geht, Leiden kommt, Leiden geht. Das was du in der Essenz bist, zeitlos, bedingungslos, ohne Eigenschaften, das bleibt.“ Uff. Erleichterung.

Und so ganz und gar ohne Bedingungen und Eigenschaften läuft ANdy’ss Leben seither ja auch nicht. Er betreibt immer noch seinen Beruf als Video Editor und macht Geräusche beim Hörspiel. Er ist immer noch Fan von Audrey Hepburn und Byron Katie. Und er ist hingebungsvoller „Brony“, also ein Liebhaber jener bunten Pferdchen mit Augenaufschlag aus der Serie „My Little Pony“. Einige vollsynthetische Exemplare namens Rainbow Dash, Fluttershy und Twilight Sparkle hat er im Zimmer stehen, neben dem Bett und auf dem Lautsprecher.

Mit so etwas müssen die Leute sich abfinden, die zu seinen Talks kommen. So wie die Besucher von Nisargadatta sich damit abfinden mussten, dass ihr Meister unablässig qualmte. Oder die Devotees von Ramana Maharshi, dass sie auf kahlem Boden hocken mussten, während ihr Meister auf einer Chaiselongue ruhte und meist nicht mal ihre Fragen beantwortete. Wer ANdy besucht, wird auf wackeligen Stühlen sitzen können oder auf der Gästematratze. Und die Fragen werden beantwortet, gelegentlich auch ausführlicher als gewünscht. Andy ist nicht das Gegenteil von redselig.

Aber er ist down to earth. Er hat die Fähigkeit, das vermeintlich Ferne nahezubringen und das scheinbar Mystische in Alltagssprache zu übersetzen. Und egal was er sagt, das Erfrischende ist diese total relaxte Präsenz von jemandem, der niemanden mehr überzeugen will, der kein Selbstbild mehr verteidigt, der offen ist bis zur Wehrlosigkeit. Diese echte Tiefenentspannung geht auf die Gäste über. Sie erleben das, was Karl Renz mal „Ferien vom Ich“ genannt hat. Zehn Euro kosten diese Ferien bei ANdy, in neunzigminütiger Länge.

Talks mit Andreas Hegewald: Nassauische Str. 36 (WG Neumann), 10717 Berlin, U7 Berliner Str. oder Blissestr., andy@daswunderdesseins.de, 0174 215 2585, Website: daswunderdesseins.de

 

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