TexteTer­mineTypen

Wird meine Frau es vor mir schaffen?

Wer wird eigent­lich eher erleuch­tet? Meine Frau oder ich? Das ist eine bange Frage. Sie bringt mich um den Schlaf. Zunächst mal: Es gibt keine Erleuch­tung, nie­mand ist erwacht, es gibt sowieso über­haupt nie­man­den – okay, alles klar.
Aber die­sen klei­nen Klick, der alles ver­än­dert, der unmiss­ver­ständ­lich offen­bart, dass es nie­mals einen Uner­leuch­te­ten gege­ben hat und dass alles, was jemals gesucht wurde, schon immer da war und hier ist, die­sen klei­nen Klick, der einen fortan berech­tigt, als Sats­ang­leh­rer auf­zu­tre­ten – den wird meine Frau doch nicht etwa eher erle­ben? Muss ich fortan Zeuge sein, wie sie in wal­len­der Klei­dung vorne sitzt und bewun­dert wird, wäh­rend ich unbe­ach­tet und mit dün­nem Lächeln Ein­tritts­geld kas­siere?
Oh Ramana, Nis­ar­ga­datta, alle Ammas, Babas, fein­stoff­li­che Wesen­hei­ten – könnt ihr es noch ver­hin­dern?
Nichts gegen meine Frau, sie ist lie­bens­wür­dig und hilfs­be­reit. Doch seit eini­ger Zeit scheint sie mich auf dem spi­ri­tu­el­len Weg – der natür­lich gar kein Weg ist, weil es ja kein Ziel gibt und auch kei­nen Raum für einen Weg und keine Zeit, in der man ihn zurück­le­gen könnte – den­noch, auf die­sem nicht-existenten Weg scheint sie mich zu über­ho­len! Einige Indi­zien bei ihr ähneln ent­setz­lich den Sym­pto­men unmit­tel­bar vor dem Durch­bruchs­er­leb­nis bei ande­ren Meis­tern.
„Bei ande­ren Meis­tern“? So drü­cke ich mich bereits aus! Schreck! Werde ich bald einen Thron für sie bauen müs­sen, zumin­dest aus Decken und Kis­sen? Noch mit einem gol­de­nen Bud­dha und einem Foto aus der Linie gro­ßer Meis­ter? Muss ich Blu­men kau­fen? Gitarre spie­len und sin­gen? Wird sie mich mit dem berühm­ten Wort von Robert Adams – „der schnellste Weg ist Dienst am Meis­ter“ – zu unter­tä­ni­gen Arbei­ten ermah­nen?
Wahr­schein­lich! Ich werde Zet­tel aus­le­gen, auf dem ihre Zuhö­rer Namen und E-Mail-Adressen ein­tra­gen müs­sen. Ich werde am Ein­gang einen Tisch auf­bauen mit einem selbst gebas­tel­ten Papp­schild „Spende 12 Euro“; zwei davon sind für mich.
Ich sehe mich das Mikro­fon jus­tie­ren, in das sie ein­fühl­sam ihre unwi­der­leg­ba­ren Weis­hei­ten hau­chen wird. Ich arran­giere Sitz­kis­sen und Stühle für die dum­men Schü­ler und erkläre, dass sie am bes­ten noch vor­her auf Toi­lette gehen sollen.

Und dann sitze ich ganz hin­ten, wo es zieht, regele die Laut­stärke und nehme alles auf. Viel­leicht kann ich noch, wenn es zu heiß wird, ihr die Stola abneh­men und sorg­sam zusam­men­fal­ten. Und wenn sie winkt, darf ich ein Fens­ter öff­nen oder schlie­ßen. Und am Ende, wenn meine Frau geruht, sich mit einem Namas­kar zu ver­ab­schie­den, sage ich: „Wer eine Kas­sette oder CD von der heu­ti­gen Sit­zung haben will, kann sich bei mir mel­den.“
Und dann stehe ich hin­ter dem Tisch mit den geschön­ten Fotos und ver­viel­fäl­tig­ten Mit­schrif­ten und warte, dass jemand etwas kauft. Natür­lich wird sie mich bit­ten, die Dia­loge zu tran­skri­bie­ren und ein Buch dar­aus zu machen, damit ihre Prä­senz in ganz Mit­tel­eu­ropa heil­sam wir­ken kann.
Und ganz neben­bei trage ich das Gepäck und fahre sie.
Was habe ich eigent­lich davon? Sie hat durch ihre so genannte Nicht-Erfahrung geschnallt, dass es kei­nen Vor­teil gibt. Für nie­man­den. Des­we­gen kann sie ab sofort jeden Vor­teil scham­los nut­zen.
Wenn ich mich beklage, wird sie sagen: „Es gibt nur spon­tane Hand­lun­gen, aber nie­man­den, der sie aus­führt. Wirk­lich, Diet­mar, hier ist nie­mand.“
Ich frage mich, wie das im Bett wird.
Warum, bitte, wer­den die Part­ner von Satsang-Lehrerinnen und Leh­rern so sel­ten oder nie erleuch­tet? Warum ver­küm­mern sie statt des­sen rasch alternd an der Seite ihrer Strah­le­part­ner? Falls sie nicht recht­zei­tig die Segel strei­chen!
Und was soll ich jetzt tun? Noch ist es nicht soweit.
Meine Frau ist noch nicht erleuch­tet und behaup­tet auch, sie könne es nie wer­den, wolle es nie wer­den, es inter­es­siere sie auch gar nicht.
Aber gerade das ist ein äußerst alar­mie­ren­des Zei­chen! Ich höre da was kli­cken!
Sorry, Leute, ich muss mich sofort auf ein Retreat bege­ben, „enligh­ten­ment dou­ble inten­sive“. Viel­leicht kann ich’s noch schaf­fen!

Don­ners­tag, 4.6. bis Sams­tag, 6.6.: Onen­es­sTalks in Hamburg

mit Andreas Müller

Ein­heit ist kein Zustand inner­halb der per­sön­li­chen Erfah­rung. 
In Befrei­ung endet das ener­ge­ti­sche Setup per­sön­li­chen Erfah­rens. Was bleibt, ist Ein­heit. Das Unkenn­bare und Unge­trennte. Es ist nicht-etwas.”

Jeweils 19:30 — 21:30 Uhr in HH-Ottensen

Menu